Blinden- und Sehbehindertenverein
für das
Saarland e.V. (BSV-Saar)

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DIE DUNKLE JAHRESZEIT - ACHTUNG IM STRASSENVERKEHR!

Der Herbst ist für viele ältere Autofahrer eine Herausforderung: Nasse Straßen und wenig Tageslicht erschweren das Lenken eines Fahrzeugs. Wer außerdem in der Dämmerung schlecht sieht, kann schnell in Gefahr geraten.

Aus einer Mitteilung des Bayerischen Blinden und Sehbehindertenbundes:

Als uns die Information der Augenklinik am Neumarkt in Köln auf den Tisch flatterte, dachten wir zunächst, dass das nur etwas für ältere Autofahrer ist. Doch dann machte es "Klick". Und plötzlich war es klar:
Wenn Autofahrer bei Dämmerung und in der Dunkelheit und leider auch sonst Sehprobleme haben, sind Fußgänger, die noch weniger oder nichts sehen, stärker gefährdet.
Treffen Sie Vorkehrungen, dass Sie in der dunklen Jahreszeit nicht übersehen werden, insbesondere auf Straßen ohne Gehweg und beim Überqueren der Fahrbahn. Ihr Stock sollte nicht nur "weißer Stock" heißen, sondern auch wirklich weiß sein. Reflektierende Folie kann nicht schaden. Wenn es ganz gefährlich wird, empfiehlt sich eine farbliche Markierung der in dieser Jahreszeit eher dunklen Kleidung. Sorgen Sie also dafür aufzufallen.

"Der Berufsverband der Augenärzte in Deutschland (BVA) schätzt, dass jährlich 300.000 Verkehrsunfälle durch verminderte Sehfähigkeit verursacht werden", teilt Dr. Omid Kermani mit, ärztlicher Leiter der Kölner Augenklinik am Neumarkt.
Gerade für viele ältere Menschen sei eingeschränktes Sehen in der Dämmerung ein Problem. Laut BVA seien 11,5 Prozent aller Autofahrer zwischen 50 und 59 Jahren nicht mehr fähig, nachts ein Auto zu steuern. "Andere Quellen führen sogar an, dass jeder fünfte Autofahrer von Nachtsehstörungen betroffen ist", ergänzt Kermani.

Jedes menschliche Auge hat sowohl Stäbchen- als auch Zapfenzellen auf der Netzhaut. Die etwa sechs bis sieben Millionen Zapfen kommen tagsüber zum Einsatz, nachts schaltet das menschliche Auge auf die trägeren etwa 120 Millionen Stäbchen um.
"Dieser Umstellungsprozess", so Kermani, "kann zehn bis 40 Minuten dauern. Währenddessen verlagert sich die Schwerpunktaktivität auf die Außenränder der Netzhaut, die auf Hell-Dunkel-Kontraste besonders gut ansprechen." Nachts nehme außerdem die maximale Spektralempfindlichkeit des Auges ab. Dadurch verändere sich unter anderem die Farbwahrnehmung.

Die Aktivität der Stäbchenzellen lässt im Alter nach, insbesondere wenn schon eine Sehschwäche vorliegt. Bereits ab 40 kommt es bei allen Menschen zu einer Verringerung der Sehschärfe bei Dämmerung und in der Nacht.
"Nach Angaben des BVA kommen bei mehr als sechs Prozent der Bevölkerung ab dem 60. Lebensjahr krankhafte Gesichtsfeldausfälle, so genannte Hemianopsien, dazu",ergänzt Kermani. Betroffene könnten nach einer Schädigung der Sehbahn, zum Beispiel durch eine entzündliche Makuladegeneration, nur noch Teile ihres Blickfeldes wahrnehmen. Der fehlende Rest werde ausgeblendet.

"Auch Trübungen der Augenlinse oder des Glaskörpers können die Sehfähigkeit während der Dämmerung herabsetzen. Einseitige Sehverschlechterungen werden meist gar nicht bemerkt und oft sind die Brillenstärken nicht aktuell oder die Brillengläser schlicht verkratzt oder verschmiert", weiß Kermani aus seiner täglichen Praxis.
"Regelmäßige Untersuchungen beim Augenarzt helfen, Defizite in diesem Bereich früh zu erkennen und Unfälle im Straßenverkehr zu vermeiden." Anders als in den USA, wo Autofahrer im vierjährigen Turnus ihren Führerschein durch Wiederholungssehtests erneuern müssten, setze man hierzulande auf das Verantwortungsbewusstsein der einzelnen Autofahrer.

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