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Blinden- und Sehbehindertenverein
für das Saarland e.V. (BSV-Saar)

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Beitrag vom 01.11.08 - Tanzsport für Blinde und Sehbehinderte

Der Polizeisportverein Saarbrücken bietet Tanzsport für Blinde an – Teilnehmer sind begeistert - "Ein Gefühl wie schweben"

In ihrer Ausgabe vom 22.10.08 berichtet die "Saarbrücker Zeitung" über ein saarlandweit, wenn nicht bundesweit einmaliges Projekt, Behinderte an den Tanzsport heranzuführen. Wir zitieren aus dem Artikel von Redakteur Stefan Regel:

In einem einzigartigen Projekt können Blinde und Behinderte aus dem ganzen Saarland beim PSV Saarbrücken tanzen lernen. Die Saarbrücker Zeitung war bei einer der Übungsstunden dabei.


Tanzen ist Träumen mit den Beinen, lautet ein finnisches Sprichwort. Die Bewegung im Rhythmus der Musik bringt Lebensfreude. Dass das auch bei blinden Menschen sehr gut möglich ist, beweist ein Modellprojekt des Polizeisportvereins (PSV) Saarbrücken. Der PSV hat rund 1600 Mitglieder, davon sind 200 in der Tanzabteilung. Aus dem Kreis der behinderten Menschen könnte jetzt Zuwachs kommen. Denn in drei Gruppen tanzen an die 100 körperlich und geistig Behinderte (bei ihnen ist es eher Bewegung zur Musik) unter der Leitung von Trainerin Karin Wehowsky. Darunter sind auch rund 15 Blinde und Sehbehinderte. "Das ist das erste Mal, dass im Saarland so etwas angeboten wird. Meines Wissens gibt es so etwas in ganz Deutschland noch nicht", sagt Klaus Wehowsky, Karins Mann und PSV-Abteilungsleiter.

Ziel ist es, blinde Tänzerinnen und Tänzer in "normale" Trainingsgruppen zu integrieren. Oder sie so weit zu bringen, dass sie das Tanzsportabzeichen ablegen können. Egal, unter welcher Krankheit die Teilnehmer leiden, es gibt eine Lösung dafür. "Wenn jemand zum Beispiel auf der rechten Körperhälfte eingeschränkt ist, macht er nur Linksdrehungen. Es wird sowieso viel aus der Körpermitte gemacht, die Dame kopiert sozusagen den Körper des Herrn", erklärt Klaus Wehowsky.

Grund genug für die SZ, einmal beim Training vorbeizuschauen. Zuerst machen sich die 14 Tänzer, die aus dem ganzen Saarland kommen, einmal warm. Dann geht es an die Grundschritte. "Das ist wesentlich anstrengender als sonstiger Tanzunterricht. Denn der lebt vom Vormachen und Nachmachen, eben, was hier wegfällt. Man muss alles ganz genau erklären, danach ist als Trainer aber auch die Befriedigung größer", sagt Karin Wehowsky. Sie hat als einzige Trainerin im Saarland alle nötigen Scheine und Lizenzen, um dieses Training anzubieten. Ohne sie würde nichts gehen. Zwei Jahre lang war Karin Wehowsky fast jedes Wochenende zu Seminaren unterwegs, um Kenntnisse wie Orthopädie, Reanimation oder den Umgang mit Diabeteskranken zu erwerben.

Nun wird der langsame Walzer geübt. Und auch der SZ-Reporter darf mitmachen. An der Hand von Gertrud Feld aus Saarbrücken werden Erinnerungen an längst vergessene Tanzstunden wieder wach. Allerdings stellt sich die aus Bliesen stammende Feld vor allem beim Jive deutlich geschickter an. "Ich finde die Möglichkeit klasse, dass man das hier machen kann, einen Tanzkurs wollte ich schon öfter mal machen. Normale Tanzschulen nehmen einen ja nicht auf", sagt Gertrud Feld. Auch Silvia Hame aus St. Wendel tanzt mit ihrem Partner so flüssig, dass niemand auf die Idee kommen würde, beide seien blind. Sie engagiert sich als Referentin für Gesundheit und Sport im Blinden- und Sehbehindertenverein. Und ist vom Tanzen begeistert: "Wenn man's kann, ist es ein Gefühl wie Schweben", schwärmt Hame.

Wie bei vielen Tanzkursen gibt es einen gewissen Frauenüberschuss. Um den zu beseitigen, wird jetzt auch eine echte Frohnatur mittanzen. Adrian Schmitz aus Merzig-Besseringen ist das erste Mal da und prompt begeistert. "Ich komme wieder, das macht echt viel Spaß", sagt Schmitz, der im September als "Saarlands Bester" in der SZ stand. Der 47-Jährige organisierte eine Hilfsaktion für einen schwer behinderten Jungen. Ständig scherzt Adrian mit seiner jungen Tanzpartnerin. Es ist zu merken, dass sich die Teilnehmer wohl fühlen.

"Schön zu sehen, wenn die Leute Glücksgefühle haben", freut sich auch Klaus Wehowsky, der die lose Idee zu einem solchen Projekt schon länger im Kopf hatte. "Viele haben geglaubt, das geht nicht" sagt Wehowsky. Hannelore Jaeckel aus Bischmisheim jedenfalls findet es "toll, mal wieder gefordert zu werden. Man hat keine Angst vor Fehlern. Die Bewegung und Gesellschaft sind das Schöne. Sonst sitzt man den ganzen Tag zuhause rum."

Gegen Ende der zwei Übungsstunden werden die Bewegungen immer flüssiger. Und auch Iris Geraldy-Latz aus Schmelz ist der Spaß anzusehen. "Sonst hat man als Blinder ja wenig Bewegung", sagt sie. Tanzen ist Träumen mit den Beinen. Nie hat dieser Satz wohl besser gepasst als bei einer solchen Übungsgruppe.

Auf einen Blick

Informationen und Anmeldung zu den Tanzkursen für Behinderte und Sehbehinderte bei Klaus Wehowsky, Telefon (0163) 1 73 29 01. Ein wenig Probleme bereitet den Organisatoren die Logistik, also alle Teilnehmer zu befördern. Wehowsky: "Ideal wäre es. wenn wir dafür einen Neunerbus hätten und eine Firma sich engagieren würde." Die Übungsstunden finden ab sofort alle im neu umgebauten Tanzsportzentrum des PSV in Ommersheim statt. Samstags um 14 Uhr ist der Termin für die Blinden. Auf's Parkett kommen Standardtänze wie Walzer, lateinamerikanische wie Rumba und Samba, aber auch Discofox, Salsa, Merengue oder Flamenco. r a p s

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