Stockmännchen

Blinden- und Sehbehindertenverein
für das
Saarland e.V. (BSV-Saar)

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08_01_info-sbh - wh - 16.11.2017

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Ich sehe so wie du nicht siehst:
Was ist eigentlich eine Sehbehinderung?

Die folgenden Informationen sind einer Broschüre des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes e.V. (BBSB) entnommen. Eine neuere Auflage finden Sie auf den Seiten des DBSV unter "Broschüren und mehr". Sie können sie aber auch über die Geschäftsstelle des BSV Saar erhalten.


 

 

Gliederung

 

 

1. Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser, über 500.000 sehbehinderte Menschen gibt es laut der gesetzlichen Definition in Deutschland.
Danach ist sehbehindert, wer trotz optimal angepasster Brille nicht mehr als 30 % der normalen Sehkraft besitzt. Nimmt man die Menschen dazu, die zwar über dieser gesetzlich festgelegten Grenze liegen, aber trotz Brille oder Kontaktlinsen nur so wenig sehen, dass sie größte Schwierigkeiten im Alltag haben, kommt man auf eine Zahl von rund 1,5 Millionen Menschen mit starken Seheinschränkungen.

Vielleicht sind Sie schon einmal einem sehbehinderten Menschen begegnet, auf der Straße, im Bus oder der Bahn, beim Einkaufen oder in Ämtern und Behörden? Oder ist Ihnen noch nie bewusst ein sehbehinderter Mensch aufgefallen? Das wird eher zutreffen.
Denn die wenigsten der Betroffenen nutzen einen Blindenlangstock oder tragen die gelbe Armbinde mit den drei schwarzen Punkten. Und dass man sehbehinderte Menschen an auffällig anders aussehenden Augen erkennt, trifft auch nur auf einen sehr kleinen Teil der Betroffenen zu.

Sehbehinderte Menschen wirken dann auf sehende Menschen, die die Behinderung nicht erkennen, oft tollpatschig oder rücksichtslos.

Ein weiteres großes Problem sehbehinderter Personen im Zusammenleben mit sehenden Menschen ist, dass ihr Restsehvermögen von vielen verschiedenen Faktoren abhängig ist und deshalb selbst im Laufe eines Tages schwanken kann.
Was morgens noch deutlich gesehen wird, kann am Nachmittag schon nur noch verschwommen wahrgenommen werden oder umgekehrt. So ist es selbst für Angehörige, Freunde oder Arbeitskollegen oft schwer, das aktuelle Sehvermögen von Betroffenen und die daraus resultierenden Schwierigkeiten richtig einzuschätzen. Auch das kann schnell einmal zu Missverständnissen führen.

Mit dieser Broschüre möchten wir einen Einblick in das Leben von Menschen mit einer Sehbehinderung geben. Wir hoffen, damit zur Förderung des Verständnisses zwischen sehbehinderten und sehenden Menschen nachhaltig beitragen zu können.

Sollten Fragen offen bleiben, wird sich der Blinden- und Sehbehindertenverein in Ihrer Nähe freuen, diese zu beantworten.

 

 

2. Was Sehbehinderung bedeutet

Nicht jeder Mensch, der eine Brille oder Kontaktlinsen trägt, gehört zum Kreis der Sehbehinderten. Sehbehindert sind allerdings alle, die trotz Brille oder Kontaktlinsen weit weniger sehen als der normalsehende Mensch. Sehbehinderte haben deshalb im Alltag, im Beruf, in der Schule oder in der Ausbildung wegen des wesentlich verringerten Sehvermögens erhebliche Schwierigkeiten.


Sehfähigkeit: Prozentuale Abstufungen

Abb. 1
Darstellung unterschiedlicher Sehfähigkeit


Die Sehfähigkeit wird nach dem bei uns in der Bundesrepublik Deutschland geltenden Sozialrecht nach Prozenten eingestuft. Wer beispielsweise einen Gegenstand erst aus 10 m erkennt, den ein Normalsehender aus 100 m wahrnimmt, sieht nicht 100 %, sondern nur noch 10 % (= Visus 0,1).

In Zusammenhang mit Sehbehinderungen spricht man immer häufiger von "Low Vision", "Low Vision Training" oder "Low Vision Kliniken". Der Begriff "Low Vision" bedeutet wörtlich übersetzt "geringes Sehen". Beim "Low Vision Training" wird das vorhandene Sehvermögen individuell und bestmöglich geschult. "Low Vision Kliniken" oder Sehbehindertenambulanzen sind Abteilungen z. B. der Universitätsaugenkliniken, die sich besonders auf die Anpassung von vergrößernden Sehhilfen spezialisiert haben. Es gibt jedoch auch Menschen, die bei guter Sehschärfe ein stark eingeschränktes Gesichtsfeld haben. Hier spricht man von einem sogenannten "Röhrengesichtsfeld". Die Betroffenen sind stark sehbehindert und haben vor allem große Schwierigkeiten bei der Orientierung, z. B. im Straßenverkehr. Auch ein Ausfall im zentralen Sehen führt zu einem eingeschränkten Gesichtsfeld.


Frau mit Zeitung, dann mit Buch und Lupe

Abb. 2
Mit dem weißen Blindenstock unterwegs im Bahnhof, dann kauft sie eine Zeitung am Kiosk und liest in der Bahn mit Lupe? Ist sie eine Simulantin, oder will sie uns auf den Arm nehmen? Nein, sie hat ein Röhrensichtfeld und deshalb große Orientierungsschwierigkeiten, kann aber mit Lupenbrille oder sogar ohne Hilfsmittel noch lesen.


Auch Blendempfindlichkeit kann eine Sehbehinderung sein. Es gibt Menschen, die durch Licht, besonders Sonnenschein, so stark geblendet werden, daß sie tagsüber extrem sehbehindert sind. Es gibt aber auch Menschen, die tagsüber noch recht gut sehen können, jedoch bei Dunkelheit, z. B. in Straßenunterführungen und nachts, so gut wie blind sind. Für Mitmenschen ist es oft schwierig, diese Schwankungen im Sehvermögen zu verstehen. Das führt häufig zu erheblichen Mißverständnissen.


Frau bei Tageslicht, zweites Bild: nachts mit Blindenstock

Abb. 3
Tagsüber ohne und nachts mit Blindenstock? Wie paßt das zusammen? Macht sie einen Scherz? Nein, sie ist nachtblind.
 

Rechts Frau im U-Bahnhof, links im Zug mit Braillebuch

Abb. 4
Sie ist ohne Blindenstock unterwegs. Sie fragt einen Fahrgast nach der S-Bahn-Linie und liest dann im Zug Blindenschrift. Wie paßt das zusammen?


Diese Frau hat zwar eine wesentlich verringerte Sehschärfe, hat aber ein erhaltenes äußeres Gesichtsfeld. Sie hat gelernt, mit der Sehbehinderung zu leben und im Straßenverkehr zurechtzukommen. Das Lesen bereitet ihr erhebliche Schwierigkeiten, weil sie im Zentralbereich der Netzhaut nicht sehen kann, deshalb liest sie Blindenschrift.

Weitere Faktoren einer Sehbehinderung können sein: Farbfehlsichtigkeiten (z. B. Unfähigkeit, rot und grün zu sehen), bis hin zur völligen Farbenblindheit. Die seelische und/oder körperliche Verfassung kann sich negativ auf das Sehvermögen auswirken (z. B. Augenzittern bei Nervosität oder Schwankungen des Sehvermögens bei Diabetikern).

Jede Sehbehinderung ist individuell. Selbst bei anscheinend gleicher Diagnose sind die Auswirkungen bei den Betroffenen oft gänzlich unterschiedlich.

 

 

3. Orientierung im Straßenverkehr

Wer eine erheblich verringerte Sehfähigkeit hat und deshalb andere Verkehrsteilnehmer erst spät wahrnimmt, unterliegt der Kennzeichnungspflicht im Straßenverkehr gemäß Paragraph 2 der Fahrerlaubnisverordnung.
Im Interesse der übrigen Verkehrsteilnehmer, zur Vermeidung von Gefahren und nicht zuletzt im eigenen Interesse sollten sich Menschen mit einer gravierenden Sehbehinderung entsprechend kennzeichnen und damit auf ihre Behinderung aufmerksam machen. Dies kann durch eine gelbe Armbinde mit drei schwarzen Punkten oder - bei hochgradigen Sehbehinderungen - durch den weißen Blindenstock geschehen. Der Kennzeichnungspflicht wird auch genügt, wenn der Sehbehinderte durch eine Person, die gut sieht, begleitet wird.


Frau mit Blindenstock an roter Ampel, Bild rechts gehend an grüner Ampel

Abb. 5
Der weiße Blindenstock erleichtert auch stark Sehbehinderten die Orientierung Im StraBenverkehr. Durch den weißen Blindenstock oder die gelbe Armbinde mit drei schwarzen Punkten werden Passanten aufmerksam, nehmen Rücksicht und bieten Hilfe an. Mißverständnisse werden vermieden.


Viele Sehbehinderte verzichten allerdings auf eine Kennzeichnung, um nicht aufzufallen. Besonders junge Menschen, bei denen sich mitten im Leben das Augenlicht verschlechtert hat, verdrängen oder verleugnen häufig die fortschreitende Sehbehinderung. Die Annahme der Sehbehinderung ist ein psychischer Prozeß, den alle Betroffenen durchleben müssen. Diesen Prozeß sollten Angehörige und Freunde aufmerksam begleiten. Es hat in aller Regel keinen Sinn, massiven Druck auf Sehbehinderte zur Einhaltung der Kennzeichnungspflicht auszuüben. Wenn Sie selbst positiv über die Kennzeichnung im Straßenverkehr denken und dem Sehbehinderten dies vermitteln, dann überzeugen Sie ihn leichter.

Menschen mit etwa nur 10 % Sehkraft oder erheblich eingeschränktem Gesichtsfeld haben im Straßenverkehr vielfältige Schwierigkeiten:


Linkes Bild normal, Mitte 10% Sehvermögen, rechts tunnelartige Sichtverengung

Abb. 6
Der Blick an der Kreuzung links: So Ist der Blick des Normalsehenden. Mitte: Das sieht derjenige mit 10% Sehvermögen bei normal großem Gesichtsfeld. rechts: So sieht derjenige mit Röhrengesichtsfeld.
 

Drei Strassenschilder mit schlechter und optimaler Gestaltung

Abb. 7
Straßenschilder sollten von allen gelesen werden können!
oben: So Ist das Straßenschild häufig anzutreffen.
unten: So wünschen sich Sehbehinderte Straßenschilder.


Mit einem "Fernglas", im Fachjargon "Monokular" genannt, sind viele Sehbehinderte in der Lage Hinweisschilder selbständig zu erkennen. (Der Umgang mit dem Monokular sollte mit einem erfahrenen Rehabilitationstrainer/"Low Vision Trainer" eingeübt werden.) Die Orientierung mit dem Monokular stößt nicht selten bei Passanten auf Unverständnis. Deshalb haben Sehbehinderte oft Hemmungen, dieses praktische Hilfsmittel, das man in jede Jacken- oder Manteltasche stecken kann, zu benutzen.


Frau mit Monokular liest Straßenschilder

Abb. 8
Mit dem Monokular holen sich Sehbehinderte die Umwelt ans Auge und können Straßenschilder wieder lesen.


An Ampelanlagen kann es - je nach Sehbehinderung und Lichtverhältnissen - zu Problemen kommen. Bei einer hochgradigen Sehbehinderung wird häufig allenfalls das grüne oder rote Licht, nicht aber das dargestellte Männchen gesehen.


Linkes Bild normaler Visus, rechts dunkle, zentrale Ausfallsfelder

Abb. 9
An einer Ampelanlage haben viele Sehbehinderte Probleme.
links: So sieht der Normalsehende das Fußgänger-Grün.
rechts: So sieht ein Sehbehinderter mit Gesichtsfeldausfällen (grüner Star).


Wenn Sie jemand fragt, ob die Ampel grün ist, dann sagen Sie bitte nicht einfach: "Das sehen Sie doch." Denken Sie daran, daß die Person nicht ohne Grund gefragt hat. Geben Sie bitte die gewünschte Information oder bieten Sie weitergehende Hilfe an - z. B. Begleitung über die Fahrbahn. Viele Sehbehinderte - gerade ältere Menschen - sind für Hilfe im Straßenverkehr dankbar.
Natürlich kann es auch vorkommen, daß Ihr Hilfsangebot abgelehnt wird; das sollten Sie dann einfach akzeptieren.
Für viele Sehbehinderte ist es nämlich wichtig, ihr Leben soweit wie möglich selbständig zu bewältigen.

Treppen bereiten Sehbehinderten oft große Schwierigkeiten. Viele können - besonders bei schlechter Beleuchtung die Stufenkanten nicht sehen und haben Angst, daß sie stolpern oder stürzen. Treppenkanten sollten - besonders bei der ersten und letzten Stufe - durch einen kontrastierenden Streifen gekennzeichnet sein.


Treppenstufen mit Reflexfolien

Abb. 10
Im Interesse von Sehbehinderten sollten Treppen mit kontrastreichen Markierungen gekennzeichnet sein


 

 

4. Benutzen von öffentlichen Verkehrsmitteln

Menschen mit einer Sehbehinderung sind in hohem Maß auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, weil sie nicht Auto fahren können. Auch radfahren ist häufig nicht oder nur bedingt möglich.

Öffentliche Verkehrsmittel - Omnibusse, U- und Straßenbahnen sowie die Nah- und Fernverkehrszüge der Deutschen Bahn AG - sind leider kaum oder gar nicht auf die Bedürfnisse von Menschen mit einer Sehbehinderung eingerichtet. Das verursacht verschiedene Probleme:

Beschriftungen an den Fahrzeugen (Fahrziel oder Liniennummer) sind häufig zu klein, nicht blendfrei und kontrastarm gestaltet. An größeren Haltestellen können dann Sehbehinderte nicht erkennen, welche Straßenbahn- oder Buslinie einfährt.


Münchener Stadtbus mit großer Liniennummer und Zielbeschilderung

Abb. 11
Eine größere, blendfreie und kontrastreiche Beschriftung bei öffentlichen Verkehrsmitteln hilft vielen Menschen.


Manchem Sehbehinderten hilft in dieser Situation das Monokular.
Andere müssen Passanten nach der Bus- oder Straßenbahnnummer fragen. Nicht selten erhalten sie die Antwort:
"Können Sie nicht lesen? Dort steh's doch!"
Sie können sich vorstellen, daß derartige Antworten für den Betroffenen sehr frustrierend, ja kränkend sind. Helfen Sie der sehbehinderten Person, indem Sie Ihr die Nummer mitteilen. Sie fragt sicher nicht ohne Grund. Noch besser ist es, zusätzlich Hilfe anzubieten. Wenn die sehbehinderte Person Ihre Hilfe nicht benötigt, wird sie Ihnen das sicher sagen.

Die Suche nach einem Sitzplatz in öffentlichen Verkehrsmitteln bereitet besonders Sehbehinderten mit Röhrengesichtsfeld Probleme. Hier ist eine Unterstützung durch andere Fahrgäste sehr hilfreich.

Sehbehinderte haben besonders in den Fernzügen der Deutschen Bahn AG Schwierigkeiten, ihren reservierten Sitzplatz zu finden. Die Beschriftung ist klein, kontrastarm und unscheinbar. Hier sind Sehbehinderte meistens auf die verständnisvolle Hilfe ihrer Mitreisenden angewiesen.

Auch das Aussteigen am gewünschten Ziel bereitet Schwierigkeiten. Die Fahrtzielanzeige in öffentlichen Verkehrsmitteln ist - soweit überhaupt vorhanden - meist für Sehbehinderte zu klein und kontrastarm gestaltet. Eine zuverlässige und verständliche Stationsansage ist daher wichtig. Sonst sind Sehbehinderte auf die Hilfe der Mitmenschen angewesen.


Linkes Bild: Betroffene in Zweier-Sitzgruppe, rechts oben kleine Platznummern, rechts unten lesbare Beschriftungen

Abb. 12
„Wo ist denn mein reservierter Sitzplatz Nr. 33?“ links: Abbildung einer Sitzgruppe im IC rechts oben: Übliche Beschriftung der Sitzplätze Im IC rchts, unten: So wäre die Beschriftung Im IC sehbehindertenfreundlicher.


 

 

5. Kontaktaufnahme

Zwischen Normalsehenden ist es üblich, daß man zunächst mit dem Gesprächspartner Blickkontakt aufnimmt, dann das Gespräch beginnt. Während des Gesprächs wird der Blickkontakt normalerweise weitgehend aufrechterhalten. Je nach Ausmaß der Sehbehinderung ist ein Blickkontakt nicht oder nur eingeschränkt möglich. Wer etwa einen zentralen Sehausfall hat, wird nach Einschätzung seines Gesprächspartners an ihm vorbeischauen. Das führt häufig zu einer großen Verunsicherung. Ein Kontakt kommt entweder nicht zustande oder das Gespräch gerät ins Stocken.


Bild einer geradeaus blickenden Betroffenen mit graphisch überlagerten Gesichtsfelddefektgrenzen

Abb. 13
Da der zentrale Bereich des Gesichtsfeldes defekt ist, geht der Blick an der Gesprächspartnerin vorbei, um sie im intakten äußeren Rand wahrzunehmen.


Wer zum ersten Mal mit dieser Situation konfrontiert wird, sollte sich nicht abschrecken lassen. Wenn Sie verunsichert sind, sollten Sie die wahrscheinlich sehbehinderte Person ansprechen. Im Laufe eines Gesprächs können Sie durchaus nachfragen, weshalb die Person an Ihnen vorbeischaut.

Viele Sehbehinderte können wegen der erheblich verringerten Sehschärfe Gesichter oder Gesten ihrer Mitmenschen nicht oder erst aus kurzer Entfernung erkennen. Sie können deshalb aus größerer Entfernung einen Gruß nicht erwidern oder selbst grüßen. Mitmenschen, die von der Sehbehinderung nichts wissen oder keine genaue Vorstellung haben, bezeichnen Sehbehinderte daher irrtümlich als ignorant und unhöflich.

Wenn Sie z. B. erleben, daß Ihr Gruß nicht erwidert wurde, dann sollten Sie sich von dieser Person nicht beleidigt fühlen. Besser wäre es, wenn Sie nachfragen, warum der Gruß nicht erwidert wurde. Wenn Sie erfahren, daß die Person sehbehindert ist, sollten Sie bei der nächsten Begegnung nicht von weitem grüßen, sondern auf die sehbehinderte Person zugehen und sie mit Worten grüßen.

 

 

6. Orientierungshilfen in den eigenen vier Wänden

Auf den ersten Blick sieht die Wohnung eines Sehbehinderten meistens genauso aus wie die eines Normalsehenden. Man findet in den Räumen genauso Zierpflanzen und an den Wänden hängen Bilder oder Fotos.

Bei genauerem Hinsehen fallen oftmals Besonderheiten auf:

 

 

7. Lesen und Zugang zu Information

Sehbehinderte können mit vergrößernden Sehhilfen und der richtigen Beleuchtung Geschriebenes oft wieder selbständig lesen. Je nach Sehbehinderungsgrad helfen Lupen und Lupenbrillen, die mit verschiedenen Vergrößerungsmöglichkeiten angeboten werden. Für hochgradig Sehbehinderte gibt es elektronische Bildschirmlesegeräte; sie verfügen über eine bis zu 6Ofache Vergrößerung. Auf dem Markt befinden sich auch tragbare Bildschirmlesegeräte, die etwa ein Lesen in der Bibliothek ermöglichen.

Der Fachhandel bietet geeignete Leuchten an, die wenn nötig, auch dimmbar sind. Die meisten Sehbehinderten bevorzugen Kaltlicht-Leuchten mit einer hohen Leuchtstärke. Halogen-Lampen sind nicht immer geeignet. Viele Sehbehinderte haben aber Hemmungen, in der Öffentlichkeit ihre Sehhilfe einzusetzen und trauen sich z. B. nicht, im Lokal die Speisekarte oder im Zug die Zeitung zu lesen. Sie haben Angst vor unpassenden Bemerkungen ihrer Mitmenschen. Immer wieder passiert es Sehbehinderten, die mit einer Lupenbrille lesen, daß sich andere über sie lustig machen.

Wenn Sie einem Sehbehinderten eine schriftliche Mitteilung machen, einen Brief oder eine Ansichtskarte schreiben, denken Sie bitte daran, daß Sehbehinderte meistens Schwierigkeiten mit dem Lesen von Handschriften haben. Sie sollten deshaib groß, deutlich und möglichst mit einem schwarzen Filzstift auf weißem oder gelbem Papier schreiben. Am besten ist es, wenn Sie Druckbuchstaben verwenden.

Bei Sehbehinderungen ist oft nur ein langsames Lesetempo erreichbar. Für diesen Personenkreis ist - insbesondere im beruflichen Bereich - das Arbeiten mit Blindenschrift häufig die bessere Lösung. Der Zugang zu Information, besonders zu Literatur, eröffnet sich auch über das Hörbuch. Die Blindenhörbüchereien verleihen "sprechende Bücher" an alle Personen, die nach ärztlicher Feststellung Geschriebenes nicht mehr lesen können.

Die Computerwelt ist Menschen mit einer Sehbehinderung nicht verschlossen. Sie arbeiten am PC und verwenden - je nach Grad der Sehbehinderung - einen Großbildschirm, auf dem die Buchstaben größer dargestellt werden oder benutzen eine spezielle Vergrößerungssoftware, so daß - je nach persönlichem Bedürfnis - die Buchstaben vergrößert auf dem Bildschirm erscheinen.

Zahlreiche Verlage bieten darüber hinaus Bücher in Großdruck an. Für manche Sehbehinderte ist der Großdruck jedoch immer noch zu klein. Mehrere Einrichtungen bieten einen speziellen Service für Sehbehinderte, indem sie auf individuelle Bestellung Texte in sehr großer Schrift (Maxi-Druck) erstellen. Die besonders große Schrift ermöglicht es manchem sogar, die Texte ohne Hilfsmittel zu lesen. Wenn im häuslichen Bereich moderne Computertechnik zur Verfügung steht, ist der Druck von Schriftstücken in der gewünschten Schriftgröße kein Problem. Daran sollten auch Familienangehörige denken, wenn sie beispielsweise einen Brief an Betroffene mit Sehproblemen schicken.

 

 

8. Freizeit

Menschen mit Sehbehinderung wollen ein Teil der Gesellschaft sein. Sie leben mitten unter uns und streben nach beruflicher und sozialer Eingliederung.

Auch Sehbehinderte üben viele beliebte Freizeitaktivitäten aus:

Die 9 Kur- und Erholungseinrichtungen der DBSV-Landesvereine bieten in landschaflich reizvollen Gegenden (von der Ostsee bis zum Schwarzwald) vielfältige Programme für Urlaub, Begegnung, Bildung und Unterhaltung. Einige Einrichtungen bieten ganzjährigen Kurbetrieb. Über Anschriften und Angebote dieser Begegnungsstätten informieren die DBSV-Landesvereine.

 

 

9. Hilfsmittel

Es gibt zahlreiche Hilfsmittel, die sehbehinderten Menschen den Alltag in vielen Bereichen erleichtern können. Die Betroffenen lernen die vielen Hilfsmittel entweder im "O&M"- und LPF-Training oder in so genannten „Low Vision“-Beratungen kennen. „Low Vision“ ist englisch und heißt übersetzt „Geringes Sehvermögen“. Low Vision-Beratungen werden meist von spezialisierten Augenoptikern oder speziellen Low Vision-Beratungsstellen durchgeführt.
Sehenden Menschen sind die Hilfsmittel, auf die sehbehinderte Menschen zum Ausgleich ihrer Seheinschränkung zurückgreifen, meist unbekannt. Die wichtigsten Hilfsmittel seien deshalb hier kurz vorgestellt (siehe auch etwas ausführlicher):

Lupen werden auch von sehenden Menschen benutzt, wenn sie etwas Kleines besser erkennen wollen. Den gleichen Dienst erweisen Lupen sehbehinderten Menschen. Der Unterschied ist, dass Menschen mit einer Sehbehinderung auf qualitativ deutlich bessere Lupen zurückgreifen müssen, die Verzerrungen, Farbfehler und Spiegelungen einfacher Lupen vermeiden, und auf Lupen fast immer und überall angewiesen sind. Beim Ablesen des Preises im Supermarkt, beim Lesen der Speisekarte im Restaurant, beim Lesen der Zeitung und bei vielen anderen Dingen des Alltags.

Die Lupenbrille ist eine Mischung zwischen Brille und Lupe. Durch sie erkennen sehbehinderte Menschen Dinge im Nahbereich besser und haben beide Hände frei. Sie ermöglicht, einem sehbehinderten Menschen besser zu sehen und gleichzeitig die Hände für die Arbeit frei zu haben, beispielsweise beim Sortieren von Münzen oder Briefmarken.

Die Fernrohrlupe ist eine Sonderform der Lupe, die auf einer Brille fixiert wird und damit eine Alternative zur Lupenbrille darstellt.

Die Fernrohbrille sieht der Fernrohrlupe sehr ähnlich. Ihr Einsatzbereich liegt aber im Fernbereich. Sie kommt vor allem zum Einsatz, wenn sehbehinderte Menschen ihren Blick längere Zeit auf einen entfernten Gegenstand richten wollen. So ist es mit Hilfe der Fernrohrbrille einigen sehbehinderten Menschen beispielsweise möglich, das Fernsehbild zu sehen.

Ein so genanntes Monokular funktioniert zum einen wie ein Fernglas. Weit Entferntes wird groß und nah an das Auge herangeholt, so dass es der sehbehinderte Mensch mit seinem Restsehvermögen erkennen kann. Im Gegensatz zum Fernglas hat es aber auch einen guten Nahbrennpunkt, dass heißt, es kann auch aus einer Entfernung von 30 bis 40 cm, wie beispielsweise für das Lesen von Fahrplänen hinter Glas, genutzt werden. So ist das Monokular das optimale Hilfsmittel des sehbehinderten Menschen für unterwegs.

Sehbehinderten Menschen, die beispielsweise an Retinitis Pigmentosa leiden, helfen oft so genannte Kantenfiltergläser zu einem besseren Sehen. Mit ihnen wird ein Teil des Farbspektrums herausgefiltert, wodurch das Bild für den sehbehinderten Menschen kontrastreicher wird. Kantenfiltergläser werden von sehenden Menschen, die einen sehbehinderten Menschen mit diesen Spezialgläsern wahrnehmen, wegen des abgedunkelten Brillenglases oft mit Sonnenbrillen verwechselt.

Unter Bildschirmlesegeräte lassen sich beispielsweise Bücher und Zeitschriften legen. Der Text wird auf einem Bildschirm stark vergrößert abgebildet und kann dort leichter gelesen werden.

Zur Frage der Kostenübernahme für Hilfsmittel siehe auch hier

 

 

10. Hilfe und Beratung

Jeder Mensch kann zu jeder Zeit von einer Sehbehinderung betroffen werden. Das passiert meistens völlig unvorbereitet. Viele sind zunächst niedergeschlagen und hilflos.

Die Landesvereine im Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband e. V. haben es sich zur Aufgabe gemacht, sehbehinderte und blinde Menschen zu beraten und ihre Interessen zu vertreten.

Menschen mit Sehproblemen sowie deren Angehörigen und Freunden bieten die Landesvereine im DBSV sowie deren rund 250 Untergliederungen Rat und Hilfe an. Von größter Wichtigkeit ist zunächst das Gespräch "von Mensch zu Mensch" mit einem Gleichbetroffenen. Deshalb ist der Kontakt zu einer Selbsthilfeorganisation hilfreich für die Bewältigung der neuen und für den Einzelnen oft sehr schwierigen Lebenssituation.

Rat und Hilfe geben die Landesvereine und ihre Untergliederungen in der Regel u. a. in folgenden Bereichen:

 

 

11. Ansprechpartner und Kontaktadressen

Der Deutsche Blinden-und Sehbehindertenverband e. V. (DBSV) und seine Landesvereine

 

Weitere Selbsthilfeorganisationen


Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e. V. (DVBS)
Frauenbergstraße 8, 35039 Marburg
Tel.: (0 64 21 )9 48 88-0
Fax (0 64 21) 9 48 88-10
E-Mail: dvbs@scm.de
Internet: http://www.c-lab.de/dvbs

Pro Retina Deutschland e. V.
Vaalserstraße 108, 52074 Aachen
Tel.:(02 41) 87 00 18
Fax: (02 41) 87 39 61
E-Mail: Pro-Retina@t-online.de

 

Weitere Organisationen und Einrichtungen


Berufsverband der RehabilitationslehrerInnen für
Orientierung und Mobilität Blinder und Sehbehinderter e. V. (BOMBS)
Postfach 710152, 30541 Hannover
Tel.:(05 11) 58 64 47

Berufsverband der RehabilitationsiehrerInnen für Blinde und Sehbehinderte e. V
- Lebenspraktische Fertigkeiten -
Hauptstraße 286, 33818 Leopoldshöhe
Tel.: (0 52 02) 8 09 47
Fax: (0 52 02) 88 41 49
E-Mail: 113017.3O27@compuserve.com

Verband der Blinden- und Sehbehindertenpädagogen e. V.
Ohmstraße 7, 97076 Würzburg
Tel.: (09 31) 2 09 20
Fax: (09 31) 2 09 22 51

Berufsvereinigung der Eltern blinder und sehbehinderter Kinder e. V.
Große Gasse 29, 61200 Wölfersheim
Tel.: (0 60 36) 98 01 87
Fax: (0 60 36) 17 37
E-Mail: mspeer@t-online.de

Deutsches Blindenbildungswerk GmbH (DBBW>
Hauptstraße 40, 79576 Weil am Rhein
Tel.: (0 76 21) 79 92 30
Fax: (0 76 21) 79 92 31
E-Mail:dbbw@stepnet.de

Aktion Tonband-Zeitung für Blinde e. V.
Postfach 14 21, 37594 Holzminden
Tel.: (0 55 31) 71 53
Fax: (0 55 31) 71 51

Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig
- Wissenschaftliche Bibliothek -
Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig
Tel.:(03 41) 71 13-0
Fax: (03 41) 7 11 31 25
E-Mail: info@dzb.de
Internet: http://www.dzb.de

 

 
 

Blinden- und Sehbehindertenverein für das Saarland e.V.
Küstriner Str. 6 · 66121 Saarbrücken

Tel.: 0681 818181 · InfoTel: 0681 815126 · E-Mail: info@bsvsaar.org